Nerton

Aus Celtoipedia
Wechseln zu: Navigation, Suche

Nerton oder Nertos ist ein keltischer Begriff, der Kraft, Macht, Stärke oder Energie bedeuten kann, vor allem auch Schöpfungskraft. Der Begriff ist etymologisch eng mit dem Namen der germanischen Erdgöttin Nerthus bzw. mit dem Namen des altnordischen Njördr verwandt, auch wenn er bei den Kelten keine personifizierte Gottheit gemeint zu haben scheint. Der Begriff Nerth bzw. Nert kommt sowohl im kymrischen Lied von Taliesin, der Lorica bzw. Fáeth Fiada, im Lied für langes Leben, als auch in der altirischen Beschwörung der Badb vor und scheint sich beide Male auf einen Teilaspekt der kosmischen Harmonie zu beziehen, der beschworen wird. Es ist auch ein Name, Esunertus, überliefert, der als mit der Kraft des Esus übersetzt wird, Nertus bedeutet hier also auch die göttliche Kraft. Esunertus oder Aisunertos wird allerdings auch als Beiname des Gottes Esus selbst angesehen, Esus ist demnach Esus mit der Kraft. Im Sinne von Schöpfungskraft bedeutet Nerton auch ganz explizit die Zeugungskraft des Mannes im Sinne von Potenz (Das Wort Nerton und das Wort Ner- für "Mann" stammen aus derselben Wurzel) aber auch körperliche Kraft (z.B. beim "clach neart", dem "Steine aufheben", einem Kraftkunststück). Nerton kann als Kraft auch Gewalt im Sinne von Höhere Macht oder Naturgewalt und Wille im Sinne von Willenskraft bedeuten, ebenso eventuell Wahrheitskraft. Taliesins "Lied der großen Welt" nennt Gott "Meinen Stärker", "Vyn duw vyn neirthat", Neirt bezieht sich hier also auf die von Gott verliehene Kraft, im "Lied für langes Leben" auf die persönliche Kraft, vor allem Lebenskraft. In der Geschichte von Culhwch und Olwen und im Traum des Rhonabwy tritt "Nerth" auch als Person auf, Nerth der Sohn des Kedarn ("Kraft, Sohn von Stärke" oder "Kraft, Sohn von Kampf").

siehe auch:

Moderne Deutung

Nerton wird als Kraft der Götter oder göttliche Kraft gedeutet. Eine moderne Interpretation sieht das Nerton als Universelle Kraft an. Das Nerton ist in dieser Deutung nicht nur die Kraft der Gottheiten, sondern die Gottheiten werden als wandelbare und doch personifizierte Erscheinungsformen oder Teilaspekte des in allem wirksamen Nerton angesehen. Dieses -rein neopagane- Konzept wird manchmal mit außerkeltischen Konzepten verglichen, wie dem griechischen "Logos", "Apeiron" und "Pyr Aidion", dem "Brahman" und "Atman" des Hinduismus oder dem "Tao" der chinesischen Religion, ohne dass es jedoch eine allgemein akzeptierte Identifikation mit diesen Konzepten gäbe.