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Die Kelten verehrten eine Vielzahl von Entitäten, die wir heute als "Götter" bezeichnen, zumeist in Anlehnung an den gängigen christlichen Gottesbegriff und somit das griechische Wort „Théos“ oder das lateinische „Deus“, diesen entsprach der von der gleichen Wortwurzel abstammende keltische Begriff „Deivos“ oder „Devos“. Das griechische „Théos“ konnte ursprünglich sowohl die Götter als Gesamtheit, als „Theoi“ bezeichnen als auch für ein abstraktes göttliches Prinzip („Nous“ oder „Geist“), den Urstoff der Welt („Apeiron“), ein „Weltgesetz“, „Weltvernunft“ oder „Schöpfungswort“ („Logos“), das „Ur-Eine“ („Hen“, „Monas“ ) des Universums, eine das All durchwirkende kosmische Kraft oder „Lebenshauch“ („Pneuma“) oder das ewige alles durchdringende „kosmische Lebensfeuer“ („Pyr Aidion“) stehen und durchaus auch als weiblich (z.B. als Göttin „Dyas“) verstanden werden. Das römische Deus bzw. Divus hingegen bezeichnete ursprünglich alle persönlichen göttlichen Wesen als Gesamtheit während unbestimmte göttliche Kräfte oder der Willen einer Gottheit als „Numen“ bezeichnet wurde, so galten z.B. generell die Verstorbenen als „Divi“ („Divi Parentes“ oder „göttliche Eltern“ oder „Divi Manes“ „göttliche Seelen“), später jedoch wurde „Divus“ zum Synonym für eine „Hohe, ewige Gottheit“ während unter „Deus“ ein zur Göttlichkeit aufgestiegener oder verstorbener Mensch verstanden wurde.

Siehe auch: Der Begriff des Göttlichen in der Antiken Philosophie

Inhaltsverzeichnis

Der Begriff „Gott“

Das keltische „Deivos“ unterschied sich wahrscheinlich in seiner Bedeutung, trotz ähnlicher sprachlicher Herkunft, ursprünglich sowohl vom griechischen Theos als auch vom lateinischen Deus, so setzt eine keltische Beschwörungsformel die Devi genannten Wesenheiten den Andedi und Donii („Menschen“) gegenüber. Die keltischen „Devi“ waren ursprünglich vermutlich ein eigenes Geschlecht „Himmlischer“ Wesenheiten das einem anderen Geschlecht „Unterirdischer“ Wesenheiten, den „Andedi“, gegenüberstand ähnlich wie bei den Hellenen die himmlischen „Olympioi Theoi“ („olympische Gottheiten“) den Unterweltsgöttern oder „Chtonioi“ gegenüberstanden, während die Menschen („Irdischen“) als Bewohner einer Zwischenwelt gedacht wurden.Ein Nachhall dieser Konzeption findet sich wahrscheinlich noch in der irischen Sage wo die Tuatha Dé Danann als „De“ und „Ande“ (fälschlicherweise oft als „Götter und Nichtgötter“ übersetzt) bezeichnet werden.Die Wortwörtliche Bedeutung von „Deivos“ war wahrscheinlich eigentlich „Himmlisch“, „Hell“ oder „Leuchtend“.Die Idee einer persönlichen höchsten Gottheit oder eines obersten göttlichen Prinzips lässt sich für die Kelten anhand der vorhandenen Quellen nicht nachweisen,es sei denn man interpretiert als solche die einige male erwähnten Begriffe wie „Kraft“ (Nerton) oder „Leben“ (Bitus) die jedoch nicht „Deivos“ genannt wurden, oder bezieht sich auf die nur einmal erwähnte keltische Vorstellung von einem "Logos".

Im irischen wird der christliche Gott üblicherweise als „Dia“ (wortwörtlich also „Himmlischer“ aber auch abzuleiten vom lateinischen „Deus“) bezeichnet (auch im Begrüssungswort „Dia dhuit“ „Gott mit dir“), aber auch der Name des Dagda leitet sich von ihm ab („Dago-Deivos“ „guter Himmlischer“) ebenso wie die (vermutlichen) Götternamen Indiu („großer Gott“ von „Ande-Deivos“) und Aldiu (ebenfalls „großer Gott“ von Ollodeivos).Der Coir Anmann leitet auch den Namen des Diancecht vom irischen Begriff für Gott ab als Dian Caech ("Gott der Macht") lat. glossiert als "Deus Salutis" ("Gott des Wohlergehens").

Weitere, allerdings unpersönliche , Worte für "Gottheit" waren evtl. Sunartiu ("Kräfte, Mächte") und Numnia (evtl. die gallo-römische Form des lateinischen Wortes "Numina" bzw. "Numen").Unser heutiges Wort "Gott" leitet sich vom germanischen "Guda" ab,einer ursprünglich geschlechtsneutralen Bezeichnung welche sich entweder von einer indoeuropäischen Wurzel *gheu- „(an)rufen“ oder aber *gheu- „gießen“ ableitet. Letzteres wäre vermutlich auf die Libation d.h. das Ausgiessen des Trankopfers bezogen."Gott bedeutet" also je nach Übersetzung "Das welches ich anrufe" bzw. "Das zu welchem ich spreche" (oder "Das welches zu mir spricht"?) oder aber "Das welchem ich Opfere" bzw. übertragen "Das welches ich verehre".Verwandt sind gallisch *Gutus oder *Gutuom , "Stimme, Anrufung, Opfer", und altirisch Guth.

Siehe auch:

Das „Göttliche“ bei den Kelten

Anhand der antiken Quellen lässt sich nur schwer verstehen was für die Kelten als „Göttlich“ galt, die meisten Inschriften sind vergleichsweise spät und stammen bereits aus der gallo-römischen Zeit, ebenso die meisten Darstellungen, die häufig bereits mehr oder weniger stark von der römischen Kunst geprägt sind.In der Hallstattzeit und Frühlatene dachten die Kelten ihre Götter wahrscheinlich noch nicht menschengestaltig, so soll Brennus laut aufgelacht haben als er sah ,daß die Griechen ihre Götter in Delphi in Form von menschengleichen Statuen verehrten.Ein Hinweis auf nicht anthropomorphe Götter ist auch der frühe Latene-Stil (oder "magische Stil") der viele "Maskendarstellungen" und "Hybrid-Figuren", die von Mensch- in Tier- Pflanzen oder Dämonengestalt übergehen, aufweist.Die meisten keltischen Gottheiten sind örtlich begrenzt und wurden vermutlich nur von einem einzelnen Stamm, vielleicht nur von den Bewohnern einer einzelnen Region verehrt, oftmals gibt es Hinweise auf Gottheiten von Flüssen, Quellen oder Brunnen oder Gottheiten von Bergen oder Gottheiten von Siedlungen. Gottheiten konnten Naturerscheinungen sein ebenso wie gesellschaftliche Institutionen (z.B.Gottheiten der Handwerker,musische Götter, Stammesgötter). In römischer Zeit wurden Lokalgötter oft mit den römischen Genii Loci („Ortsgeistern“) identifiziert. Einige Hinweise liegen auch vor, auf die Verehrung von Heroen und Halbgöttern.Wahrscheinlich konnten auch Menschen in der Vorstellung der Kelten nach ihrem Tod zu Göttern, zumindest aber „Vergöttlicht“ werden (So finden sich Altäre die offenbar der icener-Königin Boudicca geweiht waren).Lukian erwähnt in seinem berühmten Gespräch mit einem keltischen Philosophen (eventuell ein Druide) dass dieser ihn darauf hingewiesen habe ,daß die Kelten in Herkules (wahrscheinlich der Gott Ogmios) den Logos, d.h. die Kraft der Sprache (eventuell die Inspiration) sahen, ein Hinweis ,daß zumindest die keltischen Intellektuellen auch ein abstraktes Gottesverständnis kannten welches die vermenschlichten Gottheiten nur mehr als Symbole für gewisse Kräfte oder Ideale verstand (Diese Deutung wird allerdings neuerdings von Andreas Hofeneder kritisiert, siehe dazu:Die Gefolgschaft des Ogmios).Laut Origenes soll der platonische Philosoph Celsus behauptet haben die keltischen Druiden sollen, gleich den Juden, einen Monotheismus vertreten haben, vermutlich hatte aber Celsus eher eine Form von Pantheismus, Panentheismus oder Henotheismus im Sinn, wenn er nicht generell nur die Druiden als rein literarischen Topos in seiner neuplatonischen Polemik Gegen das Christentum benutzte.Auch der Begriff des "Logos" wird in der griechischen Philosophie oft im Sinne eines pantheistischen oder monistischen Gottes verwendet so ,daß nicht auszuschliessen ist ,daß Lucians keltischer Philosoph ebenfalls ein solches Konzept ansprach

In der inselkeltischen Literatur findet sich ein anderes Götterbild wieder, die irischen Tuatha Dé Danann treten als quasi-historische Gestalten auf, ebenso wie die frühen halbgöttlichen Könige und Helden Irlands, selbst frühzeitlichen Riesen und Dämonen wie den Fomoire, den Firbolg oder Partholanern und Nemediern werden reale historische Existenzen zugesprochen. Diese Sichtweise kann von einer euhemerisierung durch die christlichen Aufzeichner der Sagen herrühren, aber auch auf alten keltischen Ahnenkult verweisen, so gelten z.B. die Sidhe, d.h. die prähistorischen Gräber Irlands als Götterwohnsitze und Eingänge zur Anderswelt.Der lebendige Feenglaube sieht prinzipiell keinen Unterschied zwischen (ehemaligen) Göttern, Feen oder Naturgeistern und den Geistern Verstorbener, ein weiterer Hinweis auf das keltische Götterbild könnte sein ,daß offenbar einige irische Heilige auf Figuren aus der keltischen Mythologie zurückzuführen sind.Während die meisten Götter als quasi-menschlich erscheinen werden einige Gottheiten auch als beinahe allmächtig beschrieben, so vereint der Dagda in sich die Kräfte und Fähigkeiten fast aller Streiter und Fürsten der Tuatha de Danann und Lugh ist so gewaltig ,daß sein Antlitz der Schein der Sonne,seine Schleuder der Regenbogen und seine Kette die Milchstrasse sind.Ein anderer Aspekt der irischen Gottheiten ist ihre Wandelbarkeit, so vereint die Göttin Cailb in sich 32 andere Göttinnen, teilweise Gottheiten denen in der Mythologie völlig unterschiedliche Charakteristika und Herkünfte zugeschrieben werden.Auch die Morrigna treten als, teils austauschbare, teils verschiedene, Persönlichkeiten auf, einzelne Gottheiten wie Aed oder Etain treten mehrfach auf, stellen vielleicht Gottheiten dar die in anderer Gestalt mehrmals erscheinen.Letzteres ist wahrscheinlich auch für die gallischen Gottheiten zutreffend, da Inschriften nicht nur keltische mit römischen Göttern identifizieren sondern auch keltische Gottheiten miteinander.Die Kelten dachten sich ihre Götter also wohl als wandelbar so ,daß sie in mehreren Gestalten und auch in anderen Gottheiten erscheinen konnten.Interessanterweise konnte der keltische Begriff "Gott" auch auf Menschen angewand werden so bezeichnet im Acallamh na Senórach der Filidh-Schüler Néde seinen Rivalen Ferchertne nachdem dieser ihn im dichterischen Wettstreit übertroffen hat als "Seinen Gott".Ebenso sagt die altirische Mythologie über die Drei göttlichen Brüder Mac Cecht, Mac Cuill und Mac Grene "Die Pflugschar war sei Gott", "Die Haselnuss war sein Gott" und "Die Sonne war sein Gott" und ,daß die drei Brüder nach ihren Gottheiten benannt waren (Mac Cecht bedeutet "Sohn der Pflugschar", Mac Cuill "Sohn der Hasel" und Mac Grene "Sohn der Sonne"), Götter sind hier also zum ersten die Kraft/Entität bzw. das Prinzip was man verehrt, zum anderen offenbar der "Ursprung" oder "Kern" des eigenen Wesens.

Stärker noch als bei den Iren treten die „Götter“ der Waliser in der kymrischen Mythologie als historische Menschen auf, so sind sie prinzipiell (anders als die ewig jugendlichen irischen Götter) Alter und Tod unterworfen, auch wenn sie über Zauberkräfte verfügen und fähig sind in anderer Gestalt wiederzukehren (während die irischen Götter sich selbst heilen und wieder auferstehen lassen können auch ohne wiedergeboren werden zu müssen).Auch das Wiederauftauchen der immer gleichen Namen in den Genealogien der Götter wird mitunter als Hinweis für Reinkarnationen der Götter in anderer Gestalt aufgefasst.

Siehe auch:

Das göttliche im keltischen Rekonstruktionismus

Der keltische Rekonstruktionismus geht davon aus, daß alle Dinge, nicht nur der Mensch,über einen „Lebenshauch“ oder eine „Seele“ einer bestimmten Art verfügen.Dieser Lebenshauch existiert auch in bestimmten Entitäten die, im ursprünglichen Sinn, als „Götter“ bezeichnet werden können.Diese Entitäten sind Schicksalskräfte die selbst keine menschliche Form besitzen, aber als vermenschlicht gedacht und dargestellt werden. Ein Mensch geht nach seiner körperlichen Existenz in die Anderswelt ein, die nicht ein anderer Ort ist sondern sich wie die Anderswelten der Kelten durchaus im Hier und Jetzt befindet.Die Welt der Toten durchdringt also, wie im Feenglauben, in gewisser Weise die Welt der Lebenden.Ob die Anderswelt und Reinkarnation als tatsächliche Form von Jenseits und körperliche Wiedergeburt oder lediglich als versinnbildlichte Weiterexistenz der Lebenskraft oder Energie in veränderter Form oder im Kreislauf der Natur zu verstehen sind wird unterschiedlich gedeutet.Jeder Mensch und jedes beseelte „Ding“ ist prinzipiell „Göttlich“. Der Tote geht in die „Natur“ ein (bzw. war vorher eigentlich schon ein Teil von ihr), zwischen „Göttern“, „Feen“, „Geistern der Verstorbenen“, „Naturgeistern“ und „Dämonen“ gibt es keinen strengen Unterschied.

Verschiedene inselkeltische Vorstellungen wie die irische Cailleach und Flaith oder aber festlandkeltische spätantike Kulte der großen Göttin oder großen Mutter (z.B. die Kulte der Isis, Berecynthia oder Ops) bieten auch Ansätze für pantheistische oder monistische Vorstellungen, sind jedoch nicht mit Monotheismus (im strengen Sinn) zu verwechseln.

Moderne Deutungen

Eine moderne Deutung legt die in einigen keltischen Texten erwähnte "Kraft in allem" - Nerton - als universale Kraft oder Grundprinzip von Kraft aus.Diese Sichtweise interpretiert das Nerton als die Kraft der Götter oder aber die Gottheiten als Personifizierungen oder Inkarnationen des Nerton.Hierbei handelt es sich jedoch um keine alte Überlieferung sondern um eine neopagane Reinterpretation.Jene Vorstellungen von einem universellen Nerton werden manchmal mit ausserkeltischen religiösen Konzepten wie dem "Theos", "Logos" oder "Apeiron" der alten Griechen, dem "Brahman" und "Atman" des Hinduismus oder dem chinesischen "Tao" verglichen ohne ,daß es jedoch eine klare Identifikation oder allgemein akzeptierte Kongruenz gäbe.


Siehe auch:

Gottheiten der Kelten

Siehe auch