Gallorömer

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Als Gallo-Römer oder Galloromanen werden die weitestgehend romanisierten Bewohner Galliens beschrieben, im weitesten Sinne auch die früh romanisierten Bewohner der Gallia-Cisalpina.Die Gallo-Römer waren zwar historisch gesehen grösstenteils keltischer Abstammung (In Südgallien gab es auch Ligurer und in der Cisalpina Etrusker und Veneter, die Aquitaner waren eine Mischung aus Kelten und Vasconen) sprachen aber Latein bzw. keltisch beeinflusstes Vulgärlatein aus dem sich später die galloromanischen Sprachen (Französisch, Okzitanisch, Lombardisch, Frankoprovenzalisch,im weitesten Sinne ausserdem Katalanisch) entwickelten.Die Romanisierung der Gallier ging vor allem von den grossen römisch geprägten Städten aus und wurde von der einheimischen Oberschicht getragen, die früh römisches Bürgerrecht verliehen bekam, in der Gallia Cisalpina begann sie bereits im 3. Jahrhundert v.u.Z., in der Narbonensis bereits im 2. Jahrhundert v.u.Z., im restlichen Gallien ab dem 1. Jh. u.Z. obgleich es Anzeichen für keltische Sprachreste bis ins 5. Jahrhundert gibt, die alten Stämme wurden im römischen Verwaltungssystem zu Civitates und sind teilweise heute noch in Städtenamen und Verwaltungseinheiten Frankreichs wiederzufinden, im 3. Jahrhundert wurde Gallien kurze Zeit selbstständig als Imperium Galliarum oder gallisches Sonderreich.Die Galloromanen entwickelten ihre eigene lokale Version der provinzialrömischen Kunst, die meisten Funde zur keltischen Religion entstammen ebenfalls eigentlich der provinzialrömischen Zeit Galliens.Ab dem 2. Jahrhundert u.Z. begann die Christianisierung Galliens unter Pothinus und Irenäus, im 3. und 4. Jahrhundert erstarkte allerdings kurze Zeit wieder das Heidentum und nach der konstantinischen Wende wurde das Heidentum noch einmal von Julian Apostata gefördert, allerdings setzte sich der christliche Glaube auch bei der ländlichen Bevölkerung im 5. Jhd., durch die Bestrebungen Martin von Tours und Albans von Mainz, weitestgehend durch, als die Franken im 5./6. jhd. die Macht in Gallien an sich rissen entstand die Kultur der Merowinger,spätestens durch die Taufe König Chlodwigs zwischen 497 und 507 wurde Gallien offiziell christlich (katholisch).Trotzdem waren noch im 7. Jahrhundert heidnische Praktiken in Flandern bekannt.Nach einigen Einschätzungen war die Christianisierung der ländlichen Regionen Frankreichs erst im 10 und 11. Jahrhundert völlig abgeschlossen.

Die romanisierten Bewohner der Provinz Britannia werden zur Unterscheidung meist Romano-Briten genannt.Sich selbst nannten die Gallorömer Galli ("Gallier"), ein Begriff der mitunter noch im 12. Jahrhundert als Topos verwendung fand.

Bekannte Gallo-Römer:

  • Aegidius - 5. Jhd. ; gallorömischer Feldherr und Heermeister Galliens.
  • Antoninus Pius - 138-161, aus Nemausus in der Gallia Cisalpina; einer der "Adoptivkaiser".
  • Attius Patera - 4. Jhd.;gallischer Gelehrter aus Bordeaux, stammte aus einer alten Druidenfamilie, Lehrer des Ausonius.
  • Ausonius (Decimius Magnus Ausonius) - um 310 in Burdigala (Bordeaux), † nach 393 ebd.;gallischer Politiker,Dichter und Gelehrter aus Bordeaux vom Stamm der Häduer, stammte aus einer alten Druidenfamilie, Schüler des Attius Patera.
  • Avitus (Eparchius Avitus) - um 385 in der Auvergne; † Anfang 457 von 455 bis 456 weströmischer Kaiser; Gallorömer und einer der wenigen "keltischen Kaiser" die kein Gegenkaiser waren sondern offiziell anerkannt..
  • Avitus von Vienne - um 460; † 5. Februar 518 in Vienne; Verwandter Avitus´und Sidonius Apollinaris, gallorömischer Bischof von Vienne.
  • Bonosus - ein Gegenkaiser zu Probus´ an der Rheinmündung, Er war halb Britannier halb Gallier.
  • Caesarius von Arles - Erzbischof von Arles und einer der bedeutendsten Kirchenmänner Galliens.
  • Carausius - 293, Gegenkaiser, er stammte vom Stamm der Menapier aus der Belgica ab.
  • Carus - 282-283, Gegenkaiser, er war Südgallier und starb in Asien tod durch einen Blitzschlag.
  • Carinus - 283-285, er war ein Sohn des Carus und galt als einer der schlechtesten Kaiser.
  • Catull (Gaius Valerius Catullus) - 1. Jhd. v.u.Z.; norditalischer Dichter und Epikureer.
  • Constantius von Lyon - um 420-430; † um 494; christlicher Priester, Redner und Dichter des 5. Jhd..
  • Cornelius Gallus (Gaius Cornelius Gallus) - römischer Politiker aund Dichter, geboren in Südgallien (nach anderen Angaben in Mittelitalien).
  • Cornelius Nepos - um 100 v. Chr.; † nach 28 v. Chr, norditalischer Historiker und Biograph.
  • Ecdicius - 5. Jahrhundert, gallorömischer Soldat und Offizier, Sohn des Avitus, Freund des Sidonius Apollinaris.
  • Eligius - um 589 in Chaptelat, nördlich von Limoges, † am 1. Dezember 659 (660?) in Noyon, christlicher Heiliger und Schatzmeister des Merowingerkönigs Chlothar II.
  • Germanus von Auxerre (St. Germanus) - um 378 in Auxerre; † 31. Juli 448 in Ravenna, gallorömischer Bischof und Heerführer.
  • Gregor von Tours - 30. November 538 [oder 539] in Riom bei Clermont-Ferrand, † vermutlich 17. November 594 in Tours, Bischof von Tours, Schriftsteller und Hagiograph.
  • Gaius Helvius Cinna - † 44 v. Chr. in Rom, italischer Dichter und Epikureer und Freund Catulls.
  • Jorinus - 411-413 ,Gegenkaiser, ein Gallorömer und eine Marionette König Gunthers von den Burgunden.
  • Laelianus - † 269 höchstwahrscheinlich in Mainz, Usurpator gegen Postumus, den Kaiser des vom Römischen Reich abgefallenen Imperium Galliarum.
  • Marcellus Empiricus (Marcellus von Bordeaux) - 4./5. Jhd.; gallischer Politiker,Schriftsteller und Arzt.
  • Numerian - 283-284, er war ein Bruder Carinus´ und Mitkaiser, Er war ein schlechter Politiker aber ein grosser Dichter.
  • Paulinus von Nola - um 354 in Bordeaux; † 22. Juni 431 in Nola bei Neapel; Bischof und Schriftsteller aus Aquitanien.
  • Paulinus von Trier - um 300 in Aquitanien; † um 358 in Phrygien, Bischof von Trier und christl. Märtyrer.
  • Pertinax - um 193, einer der "Kurzkaiser"; ein Freigelassener aus Ligurien .
  • Phoebicius - 4. Jhd.;gallischer Gelehrter aus Bordeaux und Priester des Gottes Belenus, stammte aus einer alten Druidenfamilie, Kollege des Ausonius.
  • Pompeius Trogus (Gnaeus Pompeius Trogus) - um 1. Jhd.; Historiker aus dem Gebiet der gallischen Vocontier stammend.Sein Vater war Cäsars Sekretär und Übersetzer.
  • Postumus - 260-268; der erste Kaiser des "Gallischen Imperiums".
  • Proculus - um 280; ein Gegenkaiser Probus´ in Lugdunum, stammte vom gallischen Stamm der Brigantes ab.
  • Sallustios - 361; ein wichtiger Neuplatoniker
  • Saturninus - um 280, Er war ein Gegenkaiser von Probus´ in Alexandria (nach anderen Quellen war er kein Gallier sondern stammte aus Africa).
  • Saturninus Secundus Salutius - um 350-360, ein gallischer Prätorianerpräfekt und römischer Beamter.Eventuell auch ein einflussreicher Autor der Neuplatoniker.
  • Sidonius Apollinaris (Gaius Sollius Modestus Sidonius Apollinaris) - um 430 in Lyon † nach 479 in Clermont-Ferrand; gallorömischer Aristokrat, Politiker, Schriftsteller und Bischof von Auvergne.
  • Sulpicius Severus - um 363 in Aquitanien; † zwischen 420 und 425 in Südgallien; aquitanischer Aristokrat, Beamter und Gelehrter.
  • Syagrius - † 486/87, gallo-römischer Beamter und letzter selbstständiger "römischer" Herrscher in Gallien, Sohn des Aegidius.
  • Tacitus (Publius Cornelius Tacitus) -* um 58; † nach 116, römischer Senator und Historiker, wuchs in Gallia Belgica auf, seine Familie stammte wahrscheinlich ursprünglich aus Gallia Narbonensis oder Gallia Cisalpina.
  • Tetricus I 271-273; letzter Kaiser des Gallischen Imperiums, regierte zusammen mit seinem Sohn.
  • Tetricus II - † nach 274) war 273/274 Unterkaiser des Imperium Galliarum.Sohn des Tetricus I.
  • Titus Livius - 59 v. Chr. in Patavium, dem heutigen Padua; † um 17 n. Chr.; norditalischer Historiker.
  • Vergil (Publius Vergilius Maro) - 15. Oktober 70 v. Chr. in Andes bei Mantua; † 21. September 19 v. Chr. in Brindisi; einer der bedeutendsten römischen Dichter (nach anderen Vermutungen war er etruskischer Abstammung) und Epikureer.
  • Victricius von Rouen - ca. 340; † vor 409;Gallischer Soldat, Schriftsteller und Bischof von Rouen.
  • Vincent von Agen - ein christlicher Diakon der Gascogne im 4. Jhd..Er wurde der heiligen Vita zufolge zu tode gefoltert (mit Pfählen durchbohrt, ausgepeitscht und enthauptet) da er ein heidnisches Feuerrad Ritual gestört hatte.
  • Vindex (Gaius Iulius Vindex) - um 25; † 68 bei Vesontio, heute Besançon; aus Aquitanien stammender römischer Senator und Statthalter der Lugdunensis.